Warum viele EU-Bürger in Thailand kein „Visa on arrival“ erhalten. Und bald doch 15 Tage länger bleiben dürfen.

Thailand will den Tourismus ankurbeln und verlängert von Oktober 2022 bis zum März des Folgejahres zwei Aufenthaltsmöglichkeiten für Besucher aus vielen Ländern um 15 Tage. Diese eigentlich erfreuliche Nachricht sorgt in den sozialen Medien allerdings erneut für Begriffsverwirrungen, obwohl diese schon so häufig aufgeklärt wurden wie sie auftauchten. Was hat es mit den „Visa on arrival“ für Thailand auf sich? Wer bekommt sie? Und wer braucht sie nicht?

Die Freude in den Kommentaren zu einem Youtube-Video eines deutschsprachigen „Thailand-Experten“ ist zunächst groß: „Juchu, demnächst gilt das ‚Visa on arrival‘ 15 Tage länger!“ Doch dann der Schreck: Während Einreisende aus China, Indien oder Saudi-Arabien von dieser Regelung profitieren, gibt es für viele Europäer, etwa aus Deutschland, der Schweiz oder Österreich, gar kein „Visa on arrival“. Und schon schlägt die Stimmung in den Kommentaren um: „Pfui, wieder einmal der Beweis dafür, dass Thailand keine deutschsprachigen Touristen mehr will und nur noch auf die Asiaten setzt.“

Nun, dass Thailand natürlich einen besonderen Blick auf die Besucherzahlen aus Ländern legt, die „um die Ecke“ liegen, ist doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Für Menschen, die nur zwei bis vier Stunden Flugzeit von Thailand entfernt leben, ist eine Reise ins „Land of Smile“ logischerweise mit viel weniger Aufwand, Zeit und Geld verbunden als für diejenigen, die 11 Stunden und länger unterwegs sind. Die Anstrengungen der thailändischen Tourismuswerber in den Nachbarländern sind daher nicht mehr als nachvollziehbar. Schließlich wirbt auch Spanien eher in Deutschland oder der Schweiz um Touristen als in Japan, Taiwan oder Südkorea. Dazu kommt: In bevölkerungsreichen Ländern wie Indien oder China, in denen die Mittelschicht in den vergangenen zwanzig Jahren erhebliche Wohlstandszuwächse erzielt hat, ist die Zahl derer, die das Interesse und die Möglichkeit für einen Thailand-Trip haben, erheblich gewachsen. Dieses Potential gilt es, für Thailand zu aktivieren. Das ist wirtschaftspolitisch nicht mehr als logisch. Und in einem asiatischen Land auf asiatische Touristen zu treffen, sollte eigentlich nur noch Leute wundern, die vermeintlich in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts steckengeblieben sind.

Was hat es aber nun mit dem „Visa on arrival“ auf sich? Nun, ganz einfach: hier gibt es immer noch eine Ungleichbehandlung zwischen Europäern und Asiaten, aber zu Gunsten der Europäer! Für einen dreißigtägigen Aufenthalt in Thailand erhalten viele EU-Bürger, unter anderem die mit Wohnsitz in Deutschland, Österreich und der Schweiz, automatisch eine sogenannte „Visa Exemption“. Bedeutet, sie sind von der Beantragung eines Visums für einen Thailand-Aufenthalt befreit („exempted“), soweit der Aufenthalt nicht länger als 30 Tage dauert. Und genau auf diese 30 Tage gibt es ab Oktober zunächst ein halbes Jahr lang einen „Aufschlag“ von 15 Tagen, so dass man sich 45 Tage lang ohne den Aufwand einer Visa-Beantragung in Thailand aufhalten kann. Dagegen müssen Chinesen, Inder, Saudi-Araber weiterhin einen „Visa-on-arrival“-Antrag stellen, der ihnen bisher einen 15tägigen Aufenthalt ermöglichte. Ab Oktober erhalten auch sie einen 15tägigen Aufschlag, können also 30 Tage im Land bleiben.

https://www.thaigeneralkonsulat.de/files/images/downloads/mitteilungen/2022/VOA.pdf

Sie sind aber weiterhin nicht davon befreit, diesen Antrag zu stellen, auch wenn sie den nicht in der Konsularabteilung der thailändischen Botschaft in ihrem Heimatland stellen müssen, um überhaupt ins Flugzeug einsteigen zu dürfen, sondern nach Ankunft, etwa am Flughafen Suvarnabhumi. Manch einem sind sicherlich schon die asiatischen oder arabischen Menschentrauben an den Tischen aufgefallen, die sich etwa fünfzig Meter vor den Immigration-schaltern an Bangkoks Flughafen regelmäßig bilden.

Genau an diesen Tischen können Europäer, die nicht länger als 30 bzw. demnächst 45 Tage bleiben wollen, ganz relaxed vorbeilaufen und sich mit ihrem Reisepass, der aber noch mindestens sechs Monate gültig sein muss, ihrem Impfpass oder einem max. 72 Stunden alten negativen Covid-Test direkt in die Schlange vor den Immigration-Schalter einreihen mit der sicheren Erwartung, nach dem elektronischen Abnehmen der Fingerabdrücke, einem netten Porträtfoto und der Sichtkontrolle des Passes (nebst hübschen Stempel drin) ohne Schwierigkeiten einreisen und bleiben zu dürfen.

Außerdem wurde inzwischen das bisher von europäischen Gästen, meist während des Fluges kurz vor der Landung, auszufüllende Einreiseformular abgeschafft, dessen Sinn sowieso nie so richtig nachvollziehbar war, da – bis auf die Flugdaten – alle weiteren Angaben nicht überprüfbar waren und die schiere Masse der Formulare jedwede Erfassung eigentlich unmöglich gemacht haben muss. Also eine weitere Erleichterung

Also, in Sachen Einreise gibt es für Touristen immer noch eine Ungleichbehandlung: Aber nicht zum Nachteil, sondern zum Vorteil der Europäer.  Und: mit „Visa on arrival“ haben Touristen aus DACH weiterhin nichts zu tun. Für sie gilt nach wie vor die „Visa Exemption“-Regelung.

https://www.travelmole.com/news/thailand-to-extend-visas-to-boost-tourism/?region=uk

Das Ringen um die Thailand-Einreise: Suvarnabhum Airport, Bangkok.

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2 Gedanken zu “Warum viele EU-Bürger in Thailand kein „Visa on arrival“ erhalten. Und bald doch 15 Tage länger bleiben dürfen.

  1. Ich verstehe die Aufregung nicht. Es profitieren doch alle davon.
    Visa on Arrival und Visa exemption bekommen beide jeweils 15 Tage längeren Aufenthalt.
    Wieso sollte da Visa on Arrival benachteiligt sein. Zur Regelung vorher ist praktisch niemand benachteiligt.

    1. Genauso ist es. Die Aufregung entsteht wohl vor allem bei Leuten, die “Visa on arrival” nicht von Visa Exemption” unterscheiden können. Deshalb haben wir den Unterschied in diesem Beitrag nochmal versucht, zu erklären.

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