15.000-Euro-Regel gekippt: Thailands Tourismus tastet sich voran

Während Europa in der kalten Jahreszeit auf den Höhepunkt der zweiten Corona-Infektionswelle zusteuert, sucht Thailand seinen Kurs bei der Wiederöffnung des Landes für Besucherinnen und Besucher. Angesichts der hohen weltweiten Fallzahlen bleiben die strengen Auflagen für eine Einreise nach Thailand bestehen. Lediglich die für den Erhalt eines Tourismus-Visums zunächst verlangten 15.000 Euro, die dauerhaft auf einem Konto hinterlegt werden sollten, entfallen ab sofort. Virus hin, Geld her: Die Sehnsucht nach dem „Land of Smile“ bleibt bei vielen seiner langjährigen Gäste tief verankert. Die „Mi-allai-may“-Monatskolumne von Thainess.

Das Virus hat Mitteleuropa, die USA und weitere Länder weiter fest im Griff. Und es sind nicht nur theoretische Fallzahlen aufgrund unterschiedlicher Teststrategien, die dies belegen, sondern inzwischen vor allem auch wieder die Auslastung der Krankenhäuser mit Corona-Patienten. Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Langzeitfolgen des Virus für die westliche Welt sind dabei derzeit kaum abzusehen.

Trotzdem – oder gerade deswegen – denken nicht wenige sehnsuchtsvoll an eine Fernreise, zum Beispiel nach Thailand oder ein anderes Land in Fernost. Zumal die meisten Länder dort – unabhängig von ihrem Regierungssystem – das Virus inzwischen deutlich besser im Griff haben als andernorts. Egal ob Thailand, Vietnam, China, die Insel Taiwan, Südkorea oder Japan: Auch aufgrund der Erfahrung mit ähnlichen Epidemien in der Vergangenheit ist die erste Infektionswelle ausgelaufen und die zweite Welle ausgeblieben, wie dieser Beitrag anschaulich vermittelt (Link per Bildklick):

Den Artikel von Xifan Yang lesen: Auf das Bild klicken.

Trotzdem herrscht in den Ländern Asiens weiterhin Vorsicht, insbesondere bei Einreisen aus dem Ausland. So verlangt etwa Thailand weiterhin von Touristen, Expats oder aus beruflichen Gründen Einreisenden nicht nur einen aktuellen Corona-Test, sondern besteht auf eine Quarantänezeit – Im Moment 14 Tage – in entsprechenden Einrichtung und Hotels unter sehr restriktiven Bedingungen und mehrmaliger Testung. Und diese Regelungen gelten nicht nur für ausländische Einreisende, sondern auch für thailändische Staatsbürger*innen, die „nach Hause“ zurückkehren wollen.

Immerhin: eine der Einreise-Regelungen für Ausländer, die mit dem neuen „TR-Visum“ einen Urlaub in Thailand verbringen wollen, ist wieder gestrichen worden: nämlich der Nachweis über eine Summe von 15.000 Euro, die seit mindestens sechs Monaten auf einem Konto des Reisenden eingezahlt sein mussten. Die Begründung für diese – für einen rein touristischen  Aufenthalt extrem hohe – Summe war, dass damit etwaige Lebenshaltungskosten für eine ungeplant längere Phase des Aufenthalts garantiert werden sollen, falls – wie im Frühjahr geschehen – der internationale Flugverkehr erneut eingestellt werden würde und Touristen länger in Thailand stranden als ihr eigentlicher Aufenthalt geplant und finanziert war. Für bisherige Inhaber von Langzeit-Visa – etwa Non-Immigrant-Visa, die im Maximalfall einen Aufenthalt von bis zu einem Jahr in Thailand ermöglichen – waren schon immer monatliche Einkünfte oder eine auf einem Bankkonto hinterlegte Summe erforderlich. Dies ist auch nachvollziehbar, denn die Inhaber dieses Visum verlegen quasi ihren Lebensmittelpunkt auf Zeit ins Land des Lächelns. Bei einem rein touristischen und auf einen deutlich kürzeren Aufenthaltszeitraum ausgelegten Trip nach Thailand war das Hinterlegen einer solch hohen Summe bisher zu Recht nie erforderlich. Es wurde lediglich stichprobenartig bei der Einreise am Flughafen in Bangkok geprüft, ob Reisende mindestens 20.000 Baht (ca. 550 Euro) Barguthaben mit sich führen.Nun sind auch wieder die 15.000 Euro vom Tisch, die in der Thailand-Fan-Community hart diskutiert und vehement kritisiert wurden.

Ob eine Fernreise in Zeiten einer weltweiten Epidemie allerdings – unabhängig von den jeweiligen Einreisebedingungen – überhaupt erwogen werden sollte, ist natürlich jedem Einzelnen und jeder Einzelnen überlassen. Die „Freiheit des Reisens“ nach Thailand ist mit dem TR-Visum immerhin wieder ein kleines Stück weit zurückgekehrt. Die Bedingungen für einen Thailand-Trip bleiben jedoch weiter hart und werden auf absehbare Zeit sicher nicht zu einem Massentourismus wie vor dem Ausbruch der Epidemie führen. Mit allen Konsequenzen, die das für die touristische Infrastruktur in Thailand hat: geschlossenen Hotels, Restaurants und Bars, wegbrechende Angebote, eingeschränkte Möglichkeiten. Wann und ob es überhaupt ein „Zurück“ zum Urlaubsland Thailand gibt, wie man es vor der Epidemie genießen konnte, ist offen.

Die „neue Normalität“ wird auch den Tourismus in Thailand verändern, ganz unabhängig von der Frage, wie viele Menschen sich aus wirtschaftlichen Gründen in der Zukunft überhaupt teure Urlaube leisten werden können. Und ganz unabhängig von der Frage, wie stabil Thailand politisch in den nächsten Jahren sein wird angesichts der harten Auseinandersetzungen zwischen Tradition und Moderne, in der das Land inzwischen steckt.

Aber: Die Sehnsucht nach dem Land lebt in vielen Herzen und Köpfen in Europa und anderen westlichen Ländern weiter. Die Sehnsucht nach der Freundlichkeit der Menschen, nach Freunden in Thailand, nach den atemberaubenden Landschaften., dem „Savoir vivre“, der Küche, den Sonnenuntergängen, der Wärme und dem bunten und quirligen Leben im „Land of Smile“. All diese Erinnerungen verwahren viele Thailand-Fans im Herzen. Und freuen sich auf den Tag, an dem sie den Flughafenterminal wieder unbeschwert verlassen dürfen und dabei gegen die Hitzewand von Suvarnabhumi rennen, ihre Schweißperlen auf der Stirn spüren, das Hupen der Taxis, die Abgase der Busse und das laute Palaver des Ankommens und Abreisens wieder erleben dürfen, bevor sie sich air-conditoned zu ihrer Urlaubsdestination bringen lassen und auf entspannte Tage hoffen.

Sawadhee khap, Müang Thai. Chokdhee khap, Siam. Auf bald hoffentlich.

Ergänzung: Auf der offiziellen Facebook-Seite des deutschen Büros der thailändischen Tourismusbehörde wurde die Streichung der 15.000-Euro-Regel inzwischen ebenfalls bestätigt:

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