Land des Lächelns: Unbefristet unerreichbar

Ein traumhafter Sonnenuntergang am Meer, Salzwasser auf heißer Haut, Sand zwischen den Zehen. Fangfrischer Fisch in Limonensud köchelnd. Vereinnahmende Stille im Tempel. Die angenehme Wärme der schattigen Veranda. Die Ruhe im morgendlichen Isaan-Dorf. Das alles kann einen Thailand-Trip auszeichnen. Vor allem aber die Herzlichkeit vieler Thais macht den Aufenthalt im Land des Lächelns zu etwas besonderem. Thailand ist kein Paradies, aber ein Ort an den es immer zurücksehnt und zurückführt. Zum Lächeln, zum Leben und um der eigenen Seele wieder ein wenig näher kommen zu können.

Denn es gibt nicht viel Schöneres, als ein Lächeln geschenkt zu bekommen. In Thailand passiert dies täglich hunderte Male. Jedenfalls viel öfter als in anderen Ländern. Ganz sicher ist da auch mal ein Gewohnheitslächeln, ein Lächeln aus Verlegenheit, ein unechtes Lächeln dabei. Mai pen rai – macht nichts. Hauptsache, man lächelt zurück. Ob mit den Augen, dem Mund oder am besten mit dem ganzen Gesicht. Oder zumindest mit dem Kameraobjektiv – so wie wir es oft tun. Lächeln ist ansteckend, macht glücklich und schön. Und wer sein Lächeln wiederfinden möchte, ist in Thailand ganz sicher sehr richtig aufgehoben.

In diesen Tagen der Krise verschwindet das Thai-Lächeln jedoch hinter den Atemschutzmasken, die in Thailand derzeit fast jeder trägt. Schon in Zeiten ohne Pandemie begegnet man in Thailands Hauptstadt Bangkok – insbesondere im Berufsverkehr – vielen Menschen mit Atemschutz. Kein Wunder. Wie so viele Mega-Metropopen dieser Welt leidet „Krung Thep“, wie die Riesenstadt thailändisch genannt wird, zeitweise unter erheblicher Luftverschmutzung.

Doch das hat uns nie davon abgehalten, nach Bangkok, nach Thailand zu reisen. Denn Thailand ist vielseitig. Thailand ist bunt. Thailand ist gastfreundlich. Und Thailand ist wahrlich ein „Mekka“ für neugierige Besucher, für Fotografinnen und Fotografen, für Reisefreunde und Asien-Fans .

Traumstrände und Tempel. Märkte und Menschen. Essen und Erholung. Party und Paysex. Lächeln und Lebenlassen. Sanook und Sabai. Und immer ein „mai pen rai“ auf den Lippen. Dafür steht Thailand in den Augen vieler seiner Besucher. Ein Land zwischen Tradition und Moderne. Ein Land zwischen sogenannter „erster“ und „dritter“ Welt. Ein Land auch mit Widersprüchen. Denn wo viel Sonne ist, ist auch viel Schatten. Und ein Land, das abseits der Touristen-Hotspots sehr viel mehr zu bieten hat als manche seiner Besucher zu sehen bekommen.

Leider wird uns das thailändische Lächeln und dieses faszinierende Land auf unbefristete Zeit unerreichbar bleiben. Bei vielen regelmäßigen Thailand-Besuchern – auch bei uns – ist meistens der nächste Thailand-Trip schon geplant, mindestens aber fest avisiert. Genau das ist in diesen Tagen anders. Thailand ist weiter weg denn je. Unbefristet unerreichbar. Die Corona-Krise hat die Welt nicht nur lahmgelegt, sondern versorgt uns täglich mit schrecklichsten und noch vor wenigen Wochen unvorstellbaren Neuigkeiten wie in einem übertriebenen Hollywood-Katastrophenfilm. Inmitten dieser Entwicklung, inmitten von persönlicher Angst und gesellschaftlichen Fragezeichen, gesundheitlichen Risiken und ökonomischen Befürchtungen wirkt diese neue erzwungene Distanz zum thailändischen Lächeln und seiner Heimat banal. Aber manchmal sind es eben genau diese Banalitäten jenseits der großen Schlagzeilen, die eine unveränderliche Wahrheit für einen Moment lang schonungslos veranschaulichen. Für viele Thailänderinnen und Thailänder, die in Deutschland leben, bedeutet es vor allem, dass sie erstmals und erstmal nicht mehr in ihr Heimatland zurückkehren können. Sie leiden in diesen Tagen verstärkt unter „Glai Baan“ – unter Heimweh. Und unter den zu Ende gehenden Vorräten des original Thai-Chilly aus dem eigenen Dorf, getrocknet in den Vorratsschränken oder gefroren in den Tiefkühltruhen des deutschen Exils.

Es wird viel geschrieben dieser Tage über Thailand und seinen Umgang mit dem Virus, über Thailand und seinen Umgang mit Ausländern in der Krise. Über die Thais, von denen viele mangels Rücklagen nach wenigen Tagen – ob gesund oder krank – vor dem ökonomischen Exitus stehen.  Über die „Farang“, die in Thailand ausharren oder versuchen, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Vielleicht gibt es in einer solch einmaligen Krise kein „richtig“ oder „falsch“. Vielleicht kann niemand wirklich wissen, was in diesem Moment „richtig“ oder „falsch“ ist. Die Welt steht still. In Thailand und überall. Und dieser Zustand erscheint – trotz gelegentlicher Unzufriedenheit über den sonst normalen Gang der Dinge in Thailand oder Deutschland – ungewohnt, unnatürlich, unmenschlich.

In einem solchen Moment mit Thainess.de eine Website über Thailand zu relaunchen, mag verwundern. Aber vielleicht gibt es keinen besseren Zeitpunkt – gerade dann, gerade jetzt, wenn das „Objekt der Begierde“ in der Realität unerreichbar ist. Dennoch: es war keine Absicht, sondern hat sich zwangsläufig so ergeben.

Diese Web-Präsenz versucht, den Blick ins Innere von Thailand zu lenken. Sie erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sondern ist ein subjektiver Blick auf Menschen und Land, Geschichten und Geschichte, Gegenwart und Kultur eines Landes, das Westeuropäer schon seit Jahrhunderten in seinen Bann zieht und das in den letzten 50 Jahren zu einer Lieblingsdestination von vielen Fern- und Asienreisenden geworden ist.

Lassen Sie sich von Thainess.de einen Moment lang zumindest in der Erinnerung, in Worten und Bildern nach Thailand entführen. Wir laden dazu herzlich ein. Und zu Vernetzung der thai-deutschsprachigen Community in diesen außerordentlichen Zeiten.

Viel Spaß beim Lesen, Stöbern und Durchklicken. Ob mit einer baldigen Perspektive auf ein thailändisches Lächeln oder ohne. Bleiben Sie gesund. Und Thailand und Thainess.de verbunden.

Sureerat&Stephan von Thainess.de

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