„Junges“ Thailand: Zwei Buch-Empfehlungen

Thailand, so wie wir es heute kennen, ist ein vergleichsweise junges Land. Zu seiner wechselvollen Historie und seiner aktuellen gesellschaftlichen und politischen Lage wollen wir heute auf zwei lesenswerte, kleine Bücher hinweisen (*mit affiliate-Links).

Die ethnischen Urväter und Urmütter der meistens Thais leben – historisch betrachtet – noch nicht allzu lange auf dem Gebiet des heutige Thailands. Der Großteil von ihnen wanderte erst im 11. Jahrhundert n.C. in das Gebiet des heutigen Thailands ein. Forscher sind sich weitgehend einig, dass die „Tai“ aus nordöstlicher Richtung einwanderten, also aus dem heutigen südlichen China. Dort findet man noch heute ethnische Tai-Minderheiten, die den Thailändern in Tradition und Sprache verwandt sind, genauso übrigens wie es solche verwandten „Tai“ auch in Laos, Kambodscha, Myanmar und im nordöstlichen Indien gibt.

Thailand, so wie wir es heute kennen, ist ein vergleichsweise junges Land. Auch wenn aufgrund archäologischer Funde die ersten Europäer – die Griechen nämlich – schon im 2. Jahrhundert v.C. an der Küste des Golf von Siam thailändischen Boden berührten, bevor ihnen rund 1700 Jahre später die Portugiesen folgten, schaffte erst im 13. Jahrhundert das Reich von Sukothai erstmals so etwas wie eine einheitliche staatliche Ordnung auf weiten Teilen des heutigen Gebietes Thailands. Und erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts konstituierte sich das heutige Thailand, nachdem die Chakri-Dynastie, die bis heute mit dem „Rama“ das königliche Staatsoberhaupt stellt, die Macht übernommen hatte und Bangkok – also das Baan Kok am Chao Praya, was nichts anders als „Pflaumenbaumdorf am Flussufer“ bedeutet – unter dem Namen „Krung Thep Mahanakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Ayuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit“ zu seiner Hauptstadt ausbaute. Im Jahre 1932 musste die absolute Monarchie einer konstruktiven weichen. Der Name „Thailand“ wurde als offizielle Bezeichnung des Landes sogar erst 1939 eingeführt, als Folge einer stark nationalistisch ausgerichteten Politik der damaligen Regierung und aus Stolz darüber, dass Thailand nie dauerhaft von einer europäischen Kolonialmacht besetzt war. Die alte Bezeichnung „Siam“ ist jedoch heute noch in vielen halboffiziellen Kontexten gebräuchlich und immer mal wieder flammt eine Debatte darüber auf, ob sie nicht die bessere Bezeichnung für ein Land wäre, das eben nicht nur die ethnische Mehrheit der „Tai“ kennt, sondern in dem auch ethnische Malayen, Laoten, Khmer oder Lan Na vollwertige Staatsbürger sind.  

Diese Aspekte und noch viel mehr Wissenswertes aus der wechsel- und leidvollen Geschichte Thailands – oder besser – des Gebietes des heutigen Thailands hat Volker Grabowsky in seinem Buch *Kleine Geschichte Thailands* anschaulich dargestellt. Der Professor für Sprache und Kultur Thailands verschafft dem Leser auf nur rund 200 Seiten einen kompakten Überblick zur Bevölkerung, der Ur- und Frühgeschichte und vor allem den verschiedenen Machthabern, die Thailand im Laufe der Jahrhunderte gesehen hat: vom Sukothai-Reich über Ayutthaya und wichtige regionale Fürstentümer bis in die Neuzeit. Er gibt einen prägnanten und leicht verständlichen Einblick in die kulturelle Identität Thailands, sowie über den Einfluss von Buddhismus, Familienbande und die historisch begründete Wichtigkeit der Dorfstruktur „ban müang“. Und er wagt einen Blick auf das heutige Thailand mit allen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, von Taksin1 bis Thaksin2 sozusagen. Das Buch ist in der „Beck´schen Reihe“ erschienen.

Nicola Glaß war langjährige freie Korrespondentin in Bangkok und beschäftigt sich auf der Basis von Geschichte und Mentalität der Thais in ihrem Buch *Thailand: Ein Länderporträt* mit Politik und Alltag in der Gegenwart des „Land des Lächelns“. Auch in diesem knapp 200-seitigen, schnell zu lesenden Buch wird kompakt und kompetent über Thailand berichtet. Als Augenzeugin einer Reihe von politischen Umwälzungen in den letzten beiden Jahrzehnten nimmt Glaß dabei kein Blatt vor den Mund. Man muss nicht mit allen ihrer Thesen und Meinungen übereinstimmen, um das Buch spannend und lesenswert zu finden. Streitbar ist es allemal.

Für sie steht nämlich die Herzlichkeit der Thailänder bei persönlichen Begegnungen eklatant dem starken Unterschied zwischen „Oben“ und „Unten“ in Thailands Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gegenüber. Und sie geht auf viele Themen ein, die auch den Thailand-Besucher gelegentlich beschäftigen, etwa die besondere Rolle des „dritten“ Geschlechtes in Thailand, die hohe Gewaltquote, das alltägliche Leben in der Megastadt Bangkok oder die Licht- und Schattenseiten des Touristik-Booms. Erschienen ist es im CH. Links Verlag, der mit seiner Länderporträt-Serie von der Internationalen Tourismusbörse (ITB) Berlin als „besondere Reiseführer-Reihe“ ausgezeichnet wurde.

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Blick auf die „Taksin Bridge“ in Bangkok vom Oriental Hotel aus.

Taksin1: General Taksin (1734 – 1782): Der Sohn chinesischer Einwanderer eroberte die einstige Thai-Hauptstadt Ayuttaya von den Burmesen zurück. Nach diesem entscheidenden militärischen Sieg erbaute er die Stadt jedoch nicht neu, sondern entschied, eine neue Hauptstadt in Thonburi am dem heutigen Bangkok gegenüberliegenden Ufer des Chao Praya Fluss zu bauen. Er ist somit der militärische Begründer des Thailands, das wir heute kennen. Allerdings waren seine militärischen Fähigkeiten wohl besser als seine Staatskunst. Denn 1782 wurde er gestürzt und hingerichtet. Daraufhin übernahm die Chakri-Dynastie die Macht im Land und stellt mit den Ramas bis heute Thailands Könige. Die Taksin-Brücke in Bangkok, die über den Chao Praya führt und Thonburi mit dem Stadtteil Sathon verbindet, trägt seinen Namen und nicht etwa den von…

Thaksin2: Thaksin Shinawatra (geb. 1949) ist ehemaliger, gewählter Premierminister Thailands, der 2006 vom Militär gestürzt und später wegen Amtsmissbrauch verurteilt wurde. Er lebt heute im Exil. Nicht wenige Thailand-Besucher ordnen ihm den genannten Brückennamen (siehe oben) zu und wundern sich, dass immer noch eine Brücke an zentraler Stelle der Hauptstadt nach einem aus dem Amt und dem Land gejagten Politiker benannt ist.

Tatsächlich gibt es Parallelen zwischen den beiden T(h)aksins. Beide sind chinesischstämmig, beide prägten und prägen eine Zeit des Umbruchs in Thailand mit. Beide haben versucht, sich gegen das jeweilige „Establishment“ ihrer Zeit durchzusetzen und beiden ist dies zeitweise auch gelungen. Beide hatten ein ambivalentes Verhältnis zum Haus Chakri. Und letztlich waren beide T(h)aksins nicht erfolgreich.

Während Taksin hingerichtet wurde, versucht Thaksin, der in Teilen der Bevölkerung aufgrund seiner Politik immer noch beliebt ist, bei anderen aber immer höchst umstritten bleiben wird, aus dem Exil heraus Einfluss auf die aktuelle thailändische Politik zu nehmen, in die er über Familie, Freunde, ökonomische Verflechtungen und politische Organisationen immer noch eng vernetzt ist.

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