„Happy end?“ Und es ist wieder passiert!

Am Samstag hatte ich einen neuen, männlichen Kunden. Er klagte über Rückenschmerzen und ich gab mir – wie immer – über eine Stunde lang Mühe, diese Schmerzen zu lindern. Das ist nicht ohne, kostet mich Konzentration, Hingabe, Einfühlungsvermögen und Kraft. Mache ich aber gerne. Umso schmutziger und benutzt fühle ich mich, wenn am Ende der Behandlung wieder einmal – völlig aus dem Nichts – die Frage nach einem sogenannten „happy end“ kommt.

Viele Menschen, Männer wie Frauen, schätzen inzwischen die traditionelle Massage, wie sie in meinem Heimatland Thailand praktiziert wird. Dies macht mich als Thailänderin nicht nur stolz, sondern verhilft mir – nach viel Unterricht und Übung der Massage in Thailand und Deutschland – zu einem Einkommen in einem Land, in dem meine sonstigen, in Thailand erworbenen Qualifikationen leider nichts wert sind.

Thai-Massage ist anstrengend: für den Kunden und für die Masseurin. Denn zunächst muss ich mich immer in die Lage meines Kunden hineinversetzen und die „Triggerpunkte“, wie man neudeutsch sagt, besser Chakren oder Energiezentren – wie es traditionell bei Yoga und Thai-Massage benannt wird – herausfinden, um die Ursache für Verspannungen zu lokalisieren. Ich bin immer sehr dankbar, wenn meine Kunden mir die Rückmeldung geben, dass ich ziemlich exakt den Punkt getroffen habe. Wenn ich aber den Punkt gefunden habe, ist meine Arbeit ja erst bestenfalls bis zur Hälfte erledigt. Dann wird es für mich körperlich anstrengend. Eine Stunde Massage ist physisch auch für den oder diejenige, die massiert, nicht anspruchslos. Aber ich beschwere mich nicht. Das ist mein Job. Ich habe ihn mir ausgesucht. Ich mache in gerne. Und ich freue mich über Kunden, die dankbar sind, wissen, was sie an der Massage haben und die gerne wiederkommen.

Was mir meinen Job wirklich erschwert, sind die Kunden wie der Mann am Samstag. Nachdem ich mich ihm offenbar erfolgreich eine Stunde lang gewidmet habe, fällt ihm – statt eines „Dankeschön“ – nichts besseres ein als mich zu fragen, ob es bei mir nicht doch auch ein „happy end“ zum Finale gibt.

Viele meiner weiblichen Kundinnen und Leserinnen werden sich jetzt vielleicht fragen, was er damit meint? Ein extra hohes Trinkgeld vielleicht?

Nein. Er fragt nach, ob der Mensch und die Hände, die ihn gerade mit Engagement nach einer jahrtausendealten Heilmethode behandelt haben nun auch noch – um es einmal so vulgär auszudrücken, wie ich es auch empfinde – ihm einen runterholen.

Mal abgesehen davon, dass ich sowohl bei meiner Werbung, als auch in meiner direkten Kundenkommunikation per Telefon, per social media, persönlich immer und gerade männlichen Neukunden gegenüber ausdrücklich betone, dass es bei mir keine erotischen Angebote gibt, empfinde ich diese Nachfrage nach getaner Arbeit als eine tiefe Missachtung der thailändischen Massage-Tradition, meiner Person und meiner Arbeit. Ich fühle mich, um es noch deutlicher zu sagen, zutiefst beleidigt und gedemütigt.

Wenn ich eines Tages mit dem selbständigen Massieren aufhören sollte, dann nicht wegen zu wenig Kunden oder zu viel Stress, wegen der Steuern oder Krankenversicherung, wegen meiner Müdigkeit oder meiner eigenen Schmerzen am Ende eines langen Tages mit vielen Massagen. Das alles macht mir nicht viel aus und viele Menschen arbeiten körperlich noch viel härter als ich. Wenn ich aufhören würde, dann nur deswegen, weil ich keine Lust mehr habe, am Telefon, per Mail, per Whatsapp nach dem „Happy End“, nach Blasen, Sex oder sonstigen Dienstleistungen gefragt zu werden, die ich ausdrücklich nicht anbiete.

Keine Werbung ohne den Hinweis: „Keine Erotik.“

Männliche Kunden, die mich das beim Erstkontakt fragen, bekommen keinen Termin bei mir – auch wenn sie nach meiner Absage beteuern, dass sie ja „nur mal so“ danach gefragt haben und ihnen eine „normale“ Thai-Massage doch reichen würde.

Aber besonders schlimm ist es, wenn ich den Neukunden, der das nicht nachgefragt hat, dann eine Stunde oder mehr in meiner Massage, in meinem Haus, im Wohnhaus meiner Familie, meiner Kinder, meines Mannes massiert habe und er sich dann erdreistet, nach dem „Happy End“ zu fragen. Das empfinde ich als unverschämt.

Ich kann es einfach nicht glauben, dass jemand ernsthaft erwartet, ich würde ihm nun ein Happy End verschaffen, während draußen meine Kinder im Pool planschen und oben mein Mann am Schreibtisch sitzt.

Und ich frage mich dann immer wieder: Warum besuchen diese Männer eigentlich nicht Etablissements, die eindeutig diese Art der Dienstleistung anbieten? Stellt dieser Kunde dieselbe Frage eigentlich auch seiner Physiotherapeutin? Seiner Friseurin? Einer Krankenschwester?

Ich weiß, dass es Landsfrauen und Kolleginnen von mir gibt, die neben einer Massage auch sexuelle Dienstleistungen anbieten. Ich habe damit kein Problem und mir steht es nicht zu, das Businesskonzept von anderen zu kritisieren oder gar moralisch zu bewerten. Ist in Ordnung für mich. Aber der kritische, aufgeklärte, männliche Verbraucher müsste eigentlich nach zwei oder drei Klicks auf die Webseiten oder Facebook-Profile von Thai-Massagen doch selbst merken, wo er diese Dienstleistungen bekommen kann. Und wo nicht. Warum fragt er trotzdem? Ist das so eine Art männlicher Jagdtrieb? Hält er sich für Adonis? Will er seine finanzielle Überlegenheit gegenüber der „armen“ Thai-Frau demonstrieren? Oder mangelt es angesichts einer temporären Ansammlung von Testosteron an Empathie?

Es waren übrigens noch nie junge Männer, die das gefragt haben, sondern immer Männer in einem Alter, in dem Mann ein gewisses Maß an Lebenserfahrung, Selbsteinschätzung und Etikette erreicht haben sollte – nach meiner Meinung jedenfalls.

Es ist mir nicht leicht gefallen, mir diese Zeilen von der Seele zu schreiben und ich danke meinem Mann, dass er mir dabei geholfen hat. Ich mag meine Arbeit. Ich freue mich über viele Stammkunden und Stammkundinnen. Ich bin erfolgreich mit meiner One-woman-Massage hier im Saarland. Und ich möchte gerne weiter für meine Kundinnen und Kunden da sein. Und hoffe sehr, dass mir solche Situationen wie die gestern Morgen in Zukunft erspart bleiben.

Eure Sureerat von Surin Thai-Massage Saarlouis

P.S.: Mehr über die historischen und fachlichen Hintergründe der Thai-Massage gibt es demnächst hier in einem neuen Blogbeitrag, aber heute musste ich erst einmal über mein Erlebnis von gestern schreiben.

12 Gedanken zu “„Happy end?“ Und es ist wieder passiert!

  1. Wieder ein sehr gut geschriebener Beitrag, danke dafür! Hat mich so sehr an unsere eigene Situation hier in der Nähe von Zürich erinnert. Auch ich habe meiner Thai Frau eine Massagepraxis im eigenen Haus aufgebaut, auch ich sitze im Büro unmittelbar über ihrer Praxis, auch unsere Tochter spielt oder lernt im Zimmer nebenan… und trotzdem immer wieder die Frage nach dem sog. „happy end“. Auf unserer Webseite und in Inseraten habe ich deshalb folgendes unter „In eigener Sache“ geschrieben:
    “ Wir hören einerseits immer wieder von Leuten, die sich nicht getrauen zu einer Thai Ölmassage zu kommen, weil sie denken, das habe vielleicht irgend etwas mit „Sex“ zu tun. Andererseits bekommen wir leider (trotz klarer gegenteiliger Ansage) von Männern immer wieder Anfragen nach Massagen mit sogenanntem „Abschluss“.
    Die Massage hat in Thailand eine über 2000 Jahre alte Tradition. Sie hat mit Wohlbefinden, mit Entspannung, mit energetischem Ausgleich, mit Gesundheit, aber in keiner Weise etwas mit „Sex“ zu tun! Wir wollten dies hier noch einmal klar und deutlich sagen.
    In diesem Sinne: Willkommen zu einer entspannenden, angenehmen, wohltuenden Thai Ölmassage!“ Aber eben, man sollte auch lesen können!

    1. Ein weiteres Mal: danke für Ihr Feedback. Und ebenso danke für die Schilderung Ihrer Erfahrung mit dem Thema. Ihr Hinweis auf Herkunft und Tradition der Thai-Massage ist absolut richtig. Deshalb können wir Ihrem Fazit „Man sollte auch lesen können“ nicht nur zustimmmen, sondern wollen es mit einem „… und verstehen wollen“ ergänzen. Beste Grüße in die Schweiz.

  2. Danke fürs teilen dieser Erfahrung!!! Ich habe das auch in meinem Buch behandelt, dass ich über Thailand geschrieben habe, aus Sicht einer Halb Thailänderin die ihre Wurzeln erkundet (also meiner Sicht). Ich wurde damit nämlich als Jugendliche oft aufgezogen (von pubertären Jungen) und habe es nie verstanden woher dieses Vorurteil/Denken kommt, da ich mich mit der Kultur einfach nicht genug auskannte. Ich finde es von daher super wichtig darüber zu schreiben, Erfahrungen und Meinungen zu teilen, einen Dialog zu schaffen und somit den Männern zu zeigen, dass es zwar angeboten werden kann, aber das nicht die Regel ist! Vielleicht kann man auch so endlich das nervige Vorurteil loswerden… Ich hoffe jedenfalls für dich, dass es nicht wieder vorkommt und sende dir und deiner Familie ganz liebe Grüße! Es freut mich das dein Massage Salon so gut läuft 🙂

  3. Ich kann mir schon vorstellen wie sowas nervt. Eine gute Thai Massage ist richtig anstrengend für die Masseuse. Aber mit so einer primitiven Frage diskreditiert sich der Fragesteller nur selber. Nehmen Sie das bloss nicht persönlich.

    1. Danke für Ihr Feedback und Ihre Zustimmung. Es nicht persönlich zu nehmen, fällt zunächst einmal schwer. Aber die Veröffentlichung des Beitrages und das große Echo, das der Beitrag in den social media und in persönlichen Zuschriften an Sureerat gefunden hat, machte es ihr leichter.

  4. Gehen Sie denn auch in ein türkisches Restaurant und bestellen dort ein Schweineschnitzel, nur weil das viele deutsche Restaurants anbieten? Man darf von Gästen Respekt erwarten, noch dazu, wenn man eine Frau ist, die sich alleine in einen Raum mit einem Mann begibt. Dass das Vertrauen bedeutet und in manchen Situationen geradezu beängstigend wird, das übersehen so viele Männer nach wie vor. Weil sie selbst eben selten Angst haben müssen in ihrem Leben. Frauen müssen das tagtäglich.

  5. Das ist absoluter Blödsinn. In DE bieten das nur Chinesische Massagepraxen an. Thai Massage gibt es das nicht in DE in Bars wird das angeboten. Ihr Männer seit einfach Widerlich.

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