Chinesen in Thailand: Mehr als Minderheit

So etwa sieht es bei Chinas Militärparaden auch aus: Kohorte um Kohorte zieht lärmend unter wehenden Fahnen durch Pattayas Walking Street und über den Balihai Pier. Allerdings sind die Fahnen nicht nur rot, sondern bunt und nicht in den Händen von Soldaten, sondern von Reiseführern. Und die „Waffen“ sind nur Baht und Kamera. Die Chinesen sind da! Und das nicht erst seit gestern, sondern seit einigen hundert Jahren in Thailand.

Chinesen und Thais verbindet eine viel längere Geschichte als die vergangenen Jahre, in denen die Chinesen zur wichtigsten und größten Touristengruppe in Thailand geworden sind. Die heutigen Erkenntnisse der Frühgeschichte lassen vermuten, dass die thailändischen Ebenen einst von Völkerwanderern aus dem Gebiet des heutigen südlichen China besiedelt wurden. Die wechselvolle thailändische Geschichte, dieser ewige Kreislauf von Grenzveränderungen, gegenseitigen Eroberungen und Bevölkerungsmigrationen mit den Nachbar-Ethnien aller Himmelsrichtungen rund um „Siam“ hat im Laufe der Jahrhunderte jedoch längst eine eigenständige thailändische Identität entstehen lassen. Dennoch ist heute das Chinesische eine starke und wahrnehmbare Minderheitenkultur in Thailand. Das liegt allerdings nicht an den Wanderungsbewegungen vor Jahrtausenden, sondern an der stetigen Migration von Chinesen in den letzten Jahrhunderten. Und diese chinesische Migration nach Thailand ist geradezu ein Abbild chinesischer Geschichte der Neuzeit bis heute.

Kamen Chinesen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts noch als gesandte Handelspartner eines starken Kaiserreiches nach Thailand, so waren die nachfolgenden Migranten über mehr als ein Jahrhundert lang eher Flüchtlinge vor dem chinesischen „Luan“ – dem Chaos in ihrem Reich, wie die Chinesen die Zeit des kriegerischen Imperialismus des Westens und der Japaner auf ihrem Boden, der Schwäche des eigenen Systems zum Ende des Kaiserreiches, aber auch der blutigen Bürgerkriege und der zerstörerische „Kulturrevolution“ bezeichnen. In diesen Zeiten von Hungersnöten und Gewalt, von stetig wechselnder staatlicher Ordnung, von fehlenden Verlässlichkeiten und mangelnden Zukunftsperspektiven, fand ein millionenstarker Exodus von Chinesen statt – in alle möglichen Länder rund um die Welt. Und von San Francisco bis Bangkok entstanden die noch heute existierenden China-Towns, also Stadtviertel oder Ghettos, in denen die Chinesen ein Stück Heimat, aber vor allem die Kraft und den Rückhalt fanden, sich und ihren Familien gemeinsam mit ihren Landsleuten etwas Neues fern vom Reich der Mitte aufzubauen.Die chinesischen Migranten in Thailand beschränkten sich jedoch keineswegs auf ihren Mikrokosmos Chinatown, sondern begannen überall dort, wo es sich für sie lohnte, mit ihren wirtschaftlichen Aktivitäten. Während in den USA hunderttausende ihrer Landsleute als Arbeiter beim Bau der transkontinentalen Eisenbahnen ihr hartes Brot verdienten und oft mit dem Leben bezahlten, stellten sich viele der „thailändischen“ Chinesen perfekt auf ihr agrarisch orientiertes Gastland ein und stießen in die ökonomische Lücke, die die Thais ihnen ließen: Handel, Warentausch, Transport.

Chinesischer Tempel in Chon Buri: Jahrhundertelange Assimilation.

Vorbehalte, Ressentiments und Widerstand gegen die Chinesischstämmigen in Thailand gab es dennoch immer wieder in der neueren Geschichte. So wurden sie – wie starke und wirschaftlich erfolgreiche Minderheiten in anderen Gesellschaften anderswo auch – gelegentlich in politischen oder ökonomischen Krisen Thailands zu Sündenböcken erklärt oder zur Zielscheibe von nationalistischer oder rassistischer Propaganda. Trotzdem erarbeiteten sich die ethnischen Chinesen über mehr als zwei Jahrhunderte in Thailand eine Stellung im Wirtschaftsleben, die heute von Ökonomen wohl als „systemrelevant“ bezeichnet werden würde.

Sie assimilierten sich dabei so viel wie nötig: erlernten die Sprache, respektierten Kultur, Staatswesen, Traditionen und Gepflogenheiten der Thais, heirateten auch ethnische Thais und nahmen schließlich auch deren Staatsbürgerschaft an.

Sie blieben aber den chinesischen Traditionen, dem Glauben und der Kultur so verbunden wie möglich: niemals gaben sie ihre Muttersprache auf, altchinesischen Gaumenfreuden geben sie bis heute Vorrang vor der viel zu scharfen Thai-Küche, sie bauten und pflegen ihre eigenen Tempelanlagen und Begräbnisstätten. Und die Thais ließen das auch zu. Noch heute zeugt davon der für mich sehr beeindruckende, riesige chinesische Friedhof in Chon Buri – einst gebaut vor den Toren dieser Industriestadt, heute aufgrund der Stadtentwicklung mitten drin.

Chinesischer Friedhof in Chon Buri: Gräber bis zum Horizont mitten in der Stadt.

Der gegenseitige Respekt und die Überzeugung, dass letztendlich alle von der friedlichen Koexistenz und der Zusammenarbeit profitieren, hat sich heutzutage durchgesetzt und sorgt für die starke Stellung der ethnischen Chinesen in der thailändischen Gesellschaft. Und diese Stellung wird derzeit noch wichtiger. Denn in China ist nicht nur die Kulturrevolution längst Geschichte, sondern China ist auf ökonomischem Weltniveau angekommen. Vorbei die Zeiten, in denen dort nur kopiert und billig produziert wurde. China ist ein dynamischer Innovationsstandort und längst nicht mehr nur als verlängerte Werkbank an internationalen Wertschöpfungsketten beteiligt. Seit den Wirtschaftsreformen von Deng Xiaoping hat sich China extrem entwickelt. China „is thinking big“. Und tut es auch. Mit klarer Strategie in Peking und vielen daran ausgerichteter Projekte in den Regionen hat sich China in Rekordzeit gewandelt. Ausgestattet mit Eigenkapital bei Staat und Unternehmen. Mit dem unbedingten Willen zum Erfolg, aber auch mit einem brutalen Erfolgsdruck von oben nach unten. Projekte werden in Rekordzeit vorangetrieben, Flops in Kauf genommen. China litt lange unter seiner Größe, was auch ursächlich für die Migrationswellen war. Innerhalb einer Dekade hat es seine Größe ökonomisch zu einer Stärke gedreht. Längst ist ein gutverdienender Mittelstand entstanden: das Rückgrat der chinesischen Wirtschaft und der anhaltend hohen Binnenkonjunktur, die übrigens auch für deutsche Exporterfolge sorgt. Auf dieser Basis steigt China mit dynamischer Innovationsförderung und der unvergleichbaren Internationalisierungsoffensive seiner „Belt- und Roadpolitik“ endgültig zu dem Global Player neben den USA und der EU auf.

Und das hat auch in mindestens dreifacher Hinsicht Auswirkungen auf Thailand:

Zum einen hat die thailändische Regierung den früheren roten Angstgegner China als Partner entdeckt, um Defizite bei Infrastruktur und Innovation wettzumachen und um politisch unabhängiger von den – so empfinden es nicht wenige Thais aus dem Machtapparat – ewig an Thailand rumnörgelnden westlichen Demokratie zu werden.

Zum zweiten investieren in China reich gewordene Chinesen – auch und insbesondere derzeit die aus Hongkong – ihr Geld gerne im Ausland. In Thailand fühlen sie sich besonders willkommen und verstanden. Denn hier treffen sie mit ihren ethnischen Verwandten auf Geschäftspartner, die nicht nur wirtschaftlich vor Ort eine Macht sind, sondern auch noch ihre Sprache sprechen und denen ihre Kultur nicht fremd ist. Dienstleister und staatliche Stellen, die mit dem Matchmaking zwischen Thais und Chinesen ihr Geld verdienen, kommen derzeit gar nicht nach mit Aufträgen. An Bangkoks Sukhumvit etwa befinden sich manche Bürogebäude, in denen quasi den ganzen Tag nichts mehr anderes gemacht wird, als Deals zwischen Chinesen und Thai-Chinesen zu verhandeln. Vertreter beide Gruppen geben sich dort zurzeit quasi ständig die Klinke in die Hand. Und auch die steigenden Immobilienpreise in Bangkok und der nicht abreißende Bauboom dort – aber auch auf Phuket und in der Region Pattaya – haben damit zu tun. Chinesen kaufen Condos in Thailand wie andere Souvenirs. Nicht unbedingt, um darin zu wohnen oder damit eine direkte Rendite zu erzielen, sondern um einfach erstmal Geld anzulegen. Apropos Geld: manche Chinesen bringen auch einfach nur Bares nach Thailand, ohne damit zu wirtschaften. Das dürfte übrigens eine Ursache für die anhaltende Baht-Hausse sein, unter der Urlauber, aber vor allem thailändische Exporteure von Reis und Industriegütern zurzeit so sehr leiden.

Und zum dritten – und damit kehren wir dann wieder an Pattayas Bali Hai Pier zurück – hat die chinesische Mittelschicht genug Geld und Interesse, um Urlaub außerhalb Chinas zu machen. Thailand – mit zwei bis vier Flugstunden quasi vor der chinesischen Haustür – war eines der ersten Länder, dass der Mittelstand als Destination entdeckt hat. Und ist weiterhin begehrtes Reiseziel.

Eine Seefahrt, die ist… gelegentlich anstrengender als man denkt. Chinesen am Pattaya Beach nach einem Insel-Trip.

Nicht alle, aber die meisten Chinesen buchen ihren Thailand-Urlaub als Gruppenreise. Das verstärkt bisweilen an bestimmten thailändischen Destinationen – eben etwa am Bali Hai Pier oder in der Walking Street – den Eindruck, sie hätten das Land fest in ihrer Hand. Zumindest manchmal scheint es aufgrund der Großgruppenauftritte so, als seien sogar mehr Chinesen als Thais vor Ort. Was mir dabei immer wieder auffällt: Die Chinesen bleiben meist in ihren Gruppen – stets darum bemüht, ihrem Fähnlein-Träger zu folgen und rechtzeitig zum nächsten Hotspot zu kommen. Als ich mir die Zeit nahm, das Spektakel einmal genauer zu beobachten, absolvierte gerade eine Gruppe die Strecke an den Bali Hai-Pontons zu den farbenfroh erleuchteten Ausflugsbooten am Ende des Piers sogar im mehr oder weniger fröhlichen Laufschritt. Offenbar hatte das pattayanische Verkehrschaos ihren Reisezeitplan durcheinandergefegt und sie hatten Mühe, den gebuchten Ausflugsdampfer pünktlich zu erreichen. Trotz ihres massenhaften Auftritts verbunden mit der raumgreifenden Ausbreitung – besonders im fußgängerischen Gegenverkehr – und der typisch chinesischen Geräuschkulisse wirken die Chinesen jedoch keineswegs martialisch. Ich finde es eher amüsant, die Gruppen zu beobachten. Ich ziehe mich ans Geländer des Pier zurück, rauche eine Zigarette und lasse sie an mir vorbeihetzen: vorneweg die jungen, aufstrebenden Streber-Touris, immer eng am Fahnenträger und darauf bedacht, alles, aber auch wirklich alles an Eindrücken und Infos mitzunehmen, um so das Optimum aus ihrem Thailand-Urlaub herauszuholen. Dann im Mittelfeld und etwas souveräner: Herr Wang und Frau aus der mittleren Oberschicht nebst der etwas beleibten unverheirateten Tochter, deren Mitgift jetzt halt beim Reisen verkonsumiert wird. Direkt neben ihnen die allzeit schnatternde Frauengruppe vom Mobilphone-Headquater in ihrer für westliche Augen außerordentlich geschmacklosen Freizeitkluft mit Blumenmuster, vermutlich Adler-Moden Factory-Outlet. Ganz am Ende der Gruppe und ihrer Kräfte: ein paar Ältere in Trainingsjacken, schwitzend, schnaufend, immer ein Schweißtuch griffbereit und teilweise oben nur noch mit Unterhemd bekleidet. Und noch hinter ihnen: die Sony-Supercam-Besitzer im „I-love-Thailand“-T-Shirt, die einfach nicht genug knipsen oder filmen können und daher stetig hinterherhinken auf der Suche nach der noch besseren Einstellung und dem richtigen Knöpfchen dafür an ihrer Cam.

Ich gestehe, es hat mich in gewisser Weise fasziniert, diese chinesischen Reisegruppen zu beobachten: „Meiers Weltreisen auf asiatisch“ sozusagen. Ich finde sie wahrlich nicht bedrohlich und es wundert mich auch nicht, in Asien auf asiatische Touristen zu treffen. Mir taten sie eher leid, wie sie da so durchgehetzt wurden und sich selbst hetzten. Nicht wenige sah ich übrigens weit vor Mitternacht schon wieder in ihren Fernreisebussen sitzen. Programm ist Programm. Egal, was abends in Pattaya noch los ist.

China Town Gate Bangkok

Auf einem meiner Flüge von China nach Bangkok – als ich die inneren Abläufe einer chinesischen Reisegruppe rund um mich herumsitzend noch etwas genauer studieren konnte – wurde mir allerdings klar, warum die meisten Chinesen so reisen. Und in Shanghai und Shenzhen – zum Beispiel -offerieren sich die offenkundigen Unterschiede einer chinesischen Stadt zu Bangkoks Chinatown und dem Rest von Thailand.

China ist – sagen wir mal – zumindest in den meisten Städten ein sehr aufgeräumtes und übersichtliches Land. Mit klaren und gelernten öffentlichen Verhaltensregeln und bekannten Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten. Die Städte haben ihre kleinen, bunten Nischen, aber die sind eher keine Anlaufstellen für den neuen Mittelstand. Das Leben spielt sich in festen und gelernten Bahnen ab, die Halt und Sicherheit und Orientierung geben. Neue, unbekannte Situationen – zum Beispiel in einem Flieger oder noch mehr beim Gang über Pattayas Walkingstreet, Phukets Bangla oder Bangkoks Sukhumvit sind für Chinesen angesichts all der Buntheit, Vielfältigkeit und Unübersichtlichkeit, die Thailands Streetlife sich auch in den Jahren der Militärdiktatur bewahren konnte, eine echte Herausforderung.

Das geht nicht nur Chinesen so. Ich muss zugeben, dass ich mich bei meinem ersten Bangkok-Aufenthalt ebenfalls durch die überbordenden Eindrücke herausgefordert fühlte, auch wenn ich zuvor bereits in Städten wie Berlin lebte oder Städte wie Mumbai besuchte und ich daher gegenüber den Chinesen doch einen gewissen „Vielfältigkeitsvorsprung“ reklamieren würde.

Für Chinesen ist Thailand daher aus ihrem Blickwinkel nicht weniger exotisch und herausfordernd wie für manchen europäischen Ersturlauber. Und Chinesen – zuhause, bei der Arbeit und in der Freizeit ehedem stark als Teil einer Gruppe statt als Individuum sozialisiert – hilft es, die Herausforderung zusammen mit anderen zu meistern. So wie ihre Vorfahren in den China Towns. Deshalb ist es nicht unüblich, dass Chinesen auch im Urlaub gerne auf eine chinesisch geprägte Infrastruktur vom Reiseführer über die Unterkunft bis hin zum Essen zurückgreifen. Aber das tun viele Angehörigen anderer Nationen in den thailändischen Touristenhochburgen ja genauso. Sonst gäbe es ja nicht die vielen kleinen Nischen von „Klein Heidelberg“ und „Hotel König“ über „Bart´s Navy Bar“ bis „Madras Darbar Restaurant“ und dem „The Nashaa Club“ oder wie die jeweiligen nationalen Hotspots in den Touristenzentren auch immer heißen.

Shop für chinesische Medizin in Bangkoks China Town.

Sollten sich Chinesen übrigens mit der Erwartung eines Stücks heimatlicher Orientierung während ihres Thailand-Trips besonders auf den Abend in China Town freuen, werden sie vermutlich bitter enttäuscht sein. Zwar gibt es dort chinesische Tempel, chinesische Shops, chinesische Medizin und Mediziner und natürlich chinesische Restaurants, aber die Szenerie ist doch durch und durch thailändisch. Schön bunt. Schön laut. Schön chaotisch, farbenprächtig, stinkend und voller typischer, öffentlicher thailändischer Lebensfreude – gepaart mit Scharen von Touristen aus aller Welt, nicht nur aus China. Ehrlich gesagt, kommt mir Bangkok nirgendwo so thailändisch vor wie in Chinatown. Und Chinatown unterscheidet sich insofern wahrlich sehr von chinesischen Städten.

Die Chinesen sind also während ihres Thailand-Urlaubes definitiv stärker verunsichert und herausgefordert als andere Besucher. Vielleicht beruhigt das ja sogar den ein oder anderen europäischen Urlauber, der sich durch die anhaltend hohen chinesischen Buchungszahlen seinerseits verunsichert fühlt. Und: wenn man die Gelegenheit hat, mit Chinesen persönlich – zumeist mit Blicken, Händen und Füssen – zu kommunizieren, wird man feststellen, dass es sich in der Regel um ganz reizende, zurückhaltende und nette Menschen handelt. Nur Mut!

In China Town: Schön bunt. Schön laut. Schön thailändisch.

„Warum China kein Schnupfen ist. Oder: Stabilität und Innovation – das Yin und Yang des modernen China“

Mehr über China gibt es von mir auch in diesem Wirtschaftsreisebericht: https://sidesteps.home.blog/2019/12/01/von-anderswo-warum-china-kein-schnupfen-ist/

9 Kommentare

  1. Danke für den interessanten und aufschlussreiche Beitrag. Ich habe in Nanning gearbeitet und bin überrascht gewesen von der Ordnung und Sauberkeit in dieser Stadt. Habe nur angenehme Erfahrungen mit Chinesen gehabt.

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  2. China hängt in der Entwicklung Europa noch etwas hinterher. Eine oder zwei Genarationen noch, und es wird anders sein.
    Beginnend mit der Industriealisiertung ist die Familie und das Zusammensein in Gruppen in Europa immer mehr in den Hintergrund gerückt. In den 60ern waren hier noch Fernbusreisen in Gruppenstärke nach Italien oder Spanien das Non plus Ultra. Meine Eltern waren da auch ein paar mal.
    Dann kamen die Flugreisen mit immer mehr Individualismus dazu, natürlich auch um etwas angeben zu können, man war halt mit der Flugreise nach Afrika oder so etwas Besonderes!
    Aber das hat auch seine Schattenseiten, man kümmert sich weniger um das Gemeinwohl, weil man ja was besseres ist, die gefühlte und gelebte Sauberkeit und Ordnung in der Öffentlichkeit lässt nach. Wer Thailand noch von früher kennt, dem ist das vielleicht nicht so unbekannt. Oder auch von den Griechischen Inseln her. Direkt nach dem Krieg sehr sauber, dann kamen die Touris und die Müllberge.
    Individualreisen sind eben nicht immer nur gut. Da sind die Chinesen in Gruppenstärke wohl das geringste Übel und noch gerne gesehen. Nur leider machen wohl die Chinesen selber, die alles als Pauschalreisen von China aus organisieren und den Reibach machen, mehr Gewinn als die Thais, was vielen von denen etwas ärgerlich sein mag.
    Aber das wird sich vielleicht bald ändern, wenn die Chinesen mehr in den Bereich der Individualreisen vordringen, vielleicht aber auch mit etwas negativeren Konsequenzen.
    In Thailand ist man mit den erwähnten Restriktionen und Strafen bei Umweltverstößen doch noch recht human, solange die Chinesen ihre gute Kinderstube noch nicht vergessen haben dürfte das aber noch einige Zeit gut laufen. So lange sind die Europäer da noch die Ferkelchen, oder man wird es zumindest ihnen zur Last legen.
    Würde übrigens gerne auch mal nach China reisen, vielleicht bei meinem nächsten Thailandreise mal einen Abstecher in die Region machen. Das würde ich mir da gerne mal ansehen getreu dem Lied von Geier Sturzflug: Besuchen Sie China, solange es noch steht!

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    1. Danke für Ihren ausführlichen Kommentar, auch wenn ich nicht alle Ihre Einschätzungen teile. Was eine Reise nach China angeht: Kann ich nur jederzeit empfehlen. Und von Thailand aus ist es je nach Destination ja nur ein Katzensprung. Stehen wird China noch lange, übrigens. Wobei angesichts der Dynamik in dem Land das Wort „stehen“ eigentlich unpassend ist. Besser wäre wohl: In China wird´s noch lange laufen.

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  3. „Zum einen hat die thailändische Regierung den früheren roten Angstgegner China als Partner entdeckt, um Defizite bei Infrastruktur und Innovation wettzumachen und um politisch unabhängiger von den – so empfinden es nicht wenige Thais aus dem Machtapparat – ewig an Thailand rumnörgelnden westlichen Demokratie zu werden.“
    Das ist eine interessante These. Auf welche Quellen stützt sich hier der Artikel und an welchen praktischen Beispielen lässt sich das konkret festmachen?

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    1. Die von Ihnen nachgefragte These stützt sich zum einen auf eine Intensivierung von Dialog und Regierungskonsultationen zwischen der thailändischen Regierung nach dem Sturz von Yingluck Shinawatra mit China sowie einer inzwischen eingeleiteten Reihe gemeinsamer Infrastrukturprojekte mit China im Rahmen der „Silk-and-Beltroad“-Initiative der VRC, u.a. einer transkontinentalen Schnelleisenbahnlinie von Malaysia nach Norden sowie gemeinsamer Vorhaben im Rahmen der thailändischen „Eastern Economic Corridor“-Initiative. Parallel dazu hat die vormalige durch einen Militärputsch an die Macht gekommene Regierung mehrfach sowohl die Kritik der EU als auch der USA an der politischen Situation in Thailand scharf zurückgewiesen, ihrerseits die Einhaltung des Lese Majesté auch in EU-Ländern eingefordert bzw. Verstösse dagegen (z.B. in westlichen Medien) sanktioniert und ihre Kritik daran geäußert, dass die EU nach dem Militärputsch alle Vorgespräche über ein Freihandelsabkommen mit Thailand eingestellt hat.
      Diese beiden Entwicklungen sind auch deshalb besonders bemerkenswert, da Thailand zu Zeiten des weltweiten kalten Krieges und der heißen Kriege in Indochina über Jahrzehnte ein verlässlicher Partner des Westens und der antikommunistischen Phalanx Asiens war. In Thailand selbst herrschte über Jahrzehnte eine – nicht zuletzt durch die Entwicklungen und das Erstarken der Kommunisten in China, Vietnam, Kambodscha und Laos hervorgerufene – Phobie gegen alle auch im weitesten Sinne als „links“ einzuordnenden politischen Initiativen. Diese Phobie entlud sich insbesondere bei der blutigen Niederschlagung von Studentendemonstrationen in den Jahren 1973 und 1992, deren regierungskritische und demokratische Mitbestimmung einfordernden Teilnehmer pauschal als „Kommunisten“ diskreditiert und – insbesondere 1973 – mit diesem Argument nachhaltig verfolgt wurden. Auch die Tatsache, dass es in Thailand als einem der wenigen teilindustrialisierten Schwellenländer nie nenennswerte sozialistische oder sozialdemokratische Parteien oder eine breite Gewerkschaftsbewegung gegeben hat, unterstreicht diese Fronthaltung aus dem kalten Krieg und ihre innenpolitische Wirkung. Um so bemerkenswerter ist die von mir in dem Beitrag angedeutete und von Ihnen nachgefragte Entwicklung der letzten ca. zehn Jahre.

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